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Karpfenangeln für Anfänger

Was Du als Einsteiger brauchst – und was nicht

Einsteiger fühlen sich beim Thema Karpfenangeln häufig mit Inhalten regelrecht überworfen. Ohne den Geräte- und Köderherstellern Böses vorwerfen zu wollen, so leben jene eben von einem regelmäßigen Umschlag ihres Sortiments. Die Emotionen bedienendes Marketing über Social Media und Co. gehört auch in diesem Spektrum einfach dazu. Wir möchten in unserem Ratgeber Karpfenangeln für Anfänger auf unkomplizierte Art und Weise erklären, was Du als Einsteiger wirklich brauchst – und worauf Du getrost verzichten kannst.

Karpfenangeln für Anfänger

Wir hoffen, Dir mit diesem Ratgeber nicht nur beim Anschaffen passender Ausrüstung helfen zu können. Unser Anliegen ist es auch, Dir Vertrauen zu schenken. In diesem Zusammenhang ist es essentiell, das Angeln nicht als verkomplizierte Wissenschaft zu sehen. Sieh das Hobby nicht zu verkrampft und glaube auch einmal an die Macht des Zufalls – das macht entspannter und zufriedener am Wasser, als sich selbst streng erwogene Strategien aufzuerlegen.

Zwingend erforderlich – Das braucht es und wie viel es kosten muss

Stabile Rute

Ohne Angelrute geht es nicht – das ist klar. Weil der Karpfen unser kräftigster Friedfisch ist, sollte auf jeden Fall ein ordentliches Rückgrat bereitgehalten werden. Eine spezielle Karpfenrute brauchst Du nicht, wenn Du bereits Ruten mit einem Wurfgewicht ab 80 g hast. Auch an einer schweren Rute zum Feedern oder Hechtangeln können die meisten Karpfen sicher ausgedrillt werden. Je mehr Hindernisse im Wasser sind, desto stabiler sollte Deine Rute sein (mehr Wurfgewicht), damit Du im richtigen Moment gegenhalten kannst.

Karpfen was brauche ich

Hinsichtlich Länge kann festgehalten werden, dass 12 Fuß (3,66 m) als Standard gelten. Lange Ruten ermöglichen besonders weite Würfe. Zudem kann man mit ihnen ein unwegsames Ufer überbrücken. Wer Platz beim Transport sparen möchte und nicht auf große Wurfdistanzen angewiesen ist, greift heute oft zu einer Karpfenrute mit 10ft.

Probate Karpfenruten gibt es bereits ab 40 Euro. Hierfür muss man als Anfänger wirklich kein Vermögen ausgeben. Der Autor kann z.B. die “Daiwa Black Widow” empfehlen. Ich habe auf diese Ruten in den ersten Jahren zig Karpfen bis Mitte 30 Pfund fangen können. Auch heute sind die Ruten weiter einsatzbereit und durch ihren schwarz-matten Look auch nicht unbedingt direkt von teurem Szene-Gerät zu unterscheiden.

Merke Dir folgenden Leitsatz – Je näher es beim Fanggerät in Richtung Fisch geht, desto weniger solltest Du sparen. Investiere lieber in hochwertige Kleinteile, wie scharfe und stabile Haken, als z.B. bei der Rute nochmal 50 Euro oben draufzulegen.

Welche Rolle für Anfänger beim Karpfenangeln?

Die Rolle sollte beim Karpfenangeln eine kräftige Bremse haben, welche sich dennoch fein dosieren lässt. Ein Ruckeln der Bremse gilt – unabhängig vom Zielfisch – als No-Go, denn die Ruckler können im Drill zu vermehrten Aussteigern führen.

Für das Angeln auf kurze Distanz reichen 5000-6000er Rollen der Stationärklasse vollkommen. Kleinere Modelle sind oft etwas zu filigran in Sachen Bremskraft und Beständigkeit.

Auch für eine Karpfenrolle muss der Einsteiger kein Vermögen ausgeben. Zwei bewährte Einsteiger-Serien heißen “Shimano Baitrunner” und “Okuma Longbow”.  Je mehr Schnurfassung Du benötigst, desto höher ist hier auch das zu erwartende Budget.

Karpfen erstes Mal

Hauptschnur

In Sachen Hauptschnur solltest Du als Anfänger eher auf Monofile zurückgreifen. Dank ihrer Dehnung verzeiht sie dem Angler mehr Fehler im Drill. Möchtest Du kraftvoll auswerfen und musst den Fisch von Hindernissen fernhalten, sollten 0,35-0,40 mm schon sein.

Profis reduzieren bei Mono teils auf 0,25-0,28 mm, um enorme Wurfweiten zu erreichen (weniger Widerstand im Bereich der Rutenringe). Das gelingt jedoch nur, wenn ca. 2-3 Umwicklungen Schlagschnur auf der Spule sind – mindestens 6-7 Meter. Ansonsten macht es beim Auswurf “Peng” und die Schnur reißt.

Geflecht wird beim Karpfenangeln zumeist erst ab Distanzen von 150 Metern interessant. Hier empfehlen sich Durchmesser zwischen 0,15 und 0,25 mm. Mehr zum Thema erfährst Du in unserem Ratgeber Karpfenschnur.

Rutenhalter

Dass Deine Ruten nicht im Dreck liegen, gewährleisten Rutenhalter. Wenn Du als Anfänger an Deinen Ruten sitzt, reicht beim Grundangeln in Ufernähe als Bissanzeige oft das Knarren der Bremse schon aus. Kommt der Schwimmer zum Einsatz, stellt sich die Frage erst gar nicht.

Damit Deine Rute nicht beim Biss den Abflug macht, kannst Du sie entweder auf 2 Haltern ablegen (hinten einen sog. But Grip zum Einklemmen einschrauben) oder alternativ den Griffbereich am Boden mit einem Zelt-/Erdhering fixieren.

Bankstick Halter
Stabile Rutenhalter und passende Auflagen gewährleisten, dass die Rute beim Biss nicht im hohen Bogen den Abflug macht.

Um Fallbisse wahrnehmen zu können (Fisch schwimmt auf Dich zu – Schnur erschlafft), kommen sog. Hanger (leichte Einhängebissanzeiger) oder schwerere Swinger (für Angelei im Fluss oder auf große Distanz) zum Einsatz. Diese werden mit elektronischen Bissanzeigern kombiniert. Eine derartige Kombi brauchst Du jedoch erst, wenn Du am Wasser übernachten möchtest bzw. es generell über den Tag etwas bequemer haben möchtest.

Anfänger Karpfenangeln
Mit einem Hängebissanzeiger bekommst Du auch mit, wenn der Fisch nach dem Biss auf Dich zuschwimmt. Wer kein fachgerechtes Produkt kaufen möchte, kann sich so etwas auch selber bauen. Die Preise für Hanger beginnen allerdings schon bei ca. 7 Euro.

Karpfenangeln für Anfänger – Das Versorgen des Fisches

Mit dem Ablegen der Angelprüfung lernen wir, dass Kescher, Schläger, Messer und Co. mitgeführt werden müssen. Weil Karpfen entsprechend groß werden können und machmal zurückgesetzt werden (müssen und sollten), werden noch weitere Ausrüstungsgegenstände benötigt, die jedoch nichts mit dem eigentlichen Fangerfolg zu tun haben.

Ausrüstung Karpfen

Kescher

Allem voran brauchst Du einen Kescher, der groß und tief genug ist. Die Bügellänge – sprich der Abstand zwischen den Ecken – wird häufig in Inch angegeben. Gängig sind Werte zwischen 42″ und 50″. Eine Bügellänge von 42″ entspricht ca. 106 cm, was für Großkarpfen per se schon ausreicht.

Zudem muss der Stab lang genug sein – vom Ufer aus sind 1,80 m Standard und entsprechend komfortabel. Es gibt einteilige und mehrteilige Kescherstäbe. Ein Kescher muss stabil und von guter Qualität sein – gute Markenware gibt es ab ca. 80 Euro. Mehr zum Thema erfährst Du im Ratgeber Karpfenkescher.

Abhakmatte

Soll der Fisch unbeschadet wieder in sein Element entlassen werden, ist die Anschaffung einer Abhakmatte für Karpfen unerlässlich. Komfortabel sind hierbei vor allem Modelle mit Wänden und oberseitiger Abdeckung. Der Fisch kann dann unbeschadet schlagen, ohne den Angler in übermäßigen Stress zu versetzen.

Damit der Fisch geschont wird, muss die Matte nicht nur lang, breit und dick genug sein, sondern vor dem Ablegen des Fisches außerdem mit Wasser benetzt werden. Nur so schont man die Schleimhäute des Fisches.

Wiegeschlinge & Waage

Wer angelt, tut dies zum Teil auch aus Gründen des ureigenen Jagdtriebs und des sich Messens mit dem eigenen Ich (und anderen). Daran ist nichts verwerflich. Um Deinen Fang angemessen wiegen zu können, brauchst Du eine Waage mit entsprechender Skala (bis 30 oder 40 kg sollte es schon sein, falls Du mit der Zeit immer intensiver Großfischen nachstellst). Die Fischwaage kann entweder digital oder als Federwaage konzipiert sein. Beides hat sein Für und Wider.

Gewogen wird in der sog. Weigh Sling. Die Wiegeschlinge sollte natürlich ebenfalls nass sein, um den Fisch zu schonen. Über “Tara” kannst Du jene im Voraus nullen. Alternativ muss die Schlinge im Nachgang gewogen und abgezogen werden. Genaue Ergebnisse bekommt man außerdem nur, wenn die (Zug-)Waage ganz oben am Griff angehoben wird (entweder per Stab oder Dreibein). Fässt Du von unten an den Korpus der Waage, wird zu viel Gewicht ausgewiesen.

Karpfenangeln für Anfänger – Wie soll ich nun konkret vorgehen?

Aller Anfang ist schwer. Damit Du in Sachen Motivation nicht extrem auf die Probe gestellt wirst, solltest Du Dir zunächst überschaubare Gewässergrößen mit einem guten Bestand vornehmen.

Nahezu jeder Angelverein hat einen Weiher oder kleinen See, in den vergleichsweise viele Satzkarpfen eingebracht werden. Genau das ist der richtige Ort, um sich in Sachen Auswerfen, Montagen und Routinen beim Angeln auszuprobieren.

Die Wahl des Platzes ist das A und O

Anfänger machen häufig den Fehler, wenig Wert auf die Platzwahl zu legen. Dabei gibt es heute sehr komfortable Möglichkeiten, schnell gute Plätze auszumachen.

  1. Bringe in Erfahrung, ob und wo Dein Verein in den letzten Jahren vergleichsweise viel Besatz von Karpfen durchgeführt hat.
  2. Nehme Dir zunächst ein stehendes Gewässer vor, welches am besten unter 5 ha groß ist.
  3. Schaue, ob sich bereits optisch interessante Angelstellen ausmachen lassen. Dies können z.B. Seerosen, Schilfwände, im Wasser liegende Bäume und Plateaus (helle Verfärbungen deuten auf flache Zonen, wie Sandbänke, hin) sein. Generell sind Bereiche gut, welche die Karpfen zwingend passieren müssen, wenn sie vom einen zum anderen Seeteil wechseln (z.B. Landzungen, welche den Gewässerabschnitt schmaler machen).
  4. Knote ein schweres Blei ab 80 g an eine Rute mit dickem Geflecht auf der Rolle. Mit dieser Kombination kannst Du allerhand über den Untergrund herausfinden. Einfach an gespannter Leine absinken lassen. Beim Aufschlagen merkst Du, ob der Boden eher hart (intensives Tock) oder weich ist (Auftreffen des Bleis am Grund kaum wahrnehmbar). Kurbelst Du das Blei nun über den Gewässerboden, wirst Du ebenfalls feststellen können, ob Du oft festhängst (Hindernisse, Kraut) oder, ob der Boden frei ist. Mit Krallenbleien oder massiven Blinkern lässt sich noch genauer feststellen, ob Kraut, Stöcker usw. am Grund liegen.
  5. Nimm’ Dir als Einsteiger eher freie Bereiche vor, die hart bis dezent weich sind. Klopfe diese zum Test mit Bleien ab oder nutze ein (Wurf-)Echolot.
  6. Angle zunächst besser auf kurze bis mittlere Distanz von max. 50 Metern. Das erleichtert die Bisserkennung enorm. Viele Angler wissen gar nicht, dass sie auch direkt vor ihren Füßen große Fische fangen können (dies ist gerade im Frühjahr und zudem ganzjährig in Flüssen der Fall).

Man braucht nicht zwingend teure Gadgets, um mehr über die Wassertiefe und Boden-Beschaffenheit zu erfahren. Als bewährte Lot-Montage seit jeher gilt es, ein Blei auf’s Geflecht zu ziehen und am Ende einen Marker/eine Hecht-Pose anzubinden. Mit dieser Kombination kannst Du nicht nur fühlen, wie die Struktur am Grund ist, sondern auch die Wassertiefe ermitteln. Dazu misst Du zunächst an Deiner Rute ab dem Schnurlaufröllchen einen beliebigen Abstand (z.B. 50 oder 70 cm) und machst am Blank eine Markierung (alternativ einfach Abstand zum nächsten Ring messen und merken).

Nun auswerfen und alles an gespannter Schnur absinken lassen. Nachfolgend die Pose sanft ankurbeln, bis der Widerstand kommt – Schnur stramm lassen. Der Schwimmer ist unten am Blei angekommen. Jetzt kannst Du im gespannten Zustand Schnur über die Rollenbremse abziehen. Immer in Deinem gewählten Abstand vorgehen und nach jedem Abziehen kurz warten. Hast Du z.B. 3x 70 cm abgezogen und der Marker erscheint an der Oberfläche, weißt Du, dass es dort 2,10 m tief ist. Den Vorgang kannst Du alle paar Meter wiederholen, um Kanten und Erhebungen zu finden.

Platzwahl Stellenwahl
Probater Einblick unter die Wasseroberfläche – Mehr braucht es dazu nicht.

Schneller und angenehmer gestaltet sich die Platzsuche natürlich mit einem Echolot. Selbst wenn der Einsatz von Booten verboten ist, kommen sog. Wurfecholote in Frage. Der Deeper ist in dieser Kategorie sicherlich aktueller Marktführer. Durch eine WLAN-Verbindung hält Dein Smartphone dabei als Bildschirm her.

Loten mit Deeper
Einfach mit einer robusten Hauptschnur und einem stabilen Wirbel verbinden – schon kann der Deeper ausgeworfen werden.
Echolot
Klassiker – die 2D-Ansicht auf dem Echolot. Normalerweise reicht sie beim Karpfenangeln vollkommen aus. Wenn man möchte, kann man heute noch diverse Schippen drauflegen. Dies kommt mit der Zeit bei vielen automatisch. Setze am Anfang eher auf simple Technik, welche schnell grundlegende Infos liefert.

Welche Köder soll ich einsetzen?

Der Karpfen frisst vieles. Daher ist es zunächst viel wichtiger, sich Gedanken zu machen, wo man angelt. Sind die Fische vor Ort, kommen zig Köder in Frage. Ohne Gewöhnung nehmen Karpfen z.B. Mais und gekochte Tigernüsse zum Angeln. Sind Boilies im Gewässer unbekannt, werden jene manchmal nicht sofort als Nahrung akzeptiert und müssen dann zunächst über Futter-Kampagnen eingebracht werden. Erfahre mehr zur Thematik im Ratgeber Partikel oder Boilies.

Karpfenangeln Einsteiger
Muss es immer ein Boilie sein? Nein! Machen harte Kugeln so manchen (längeren) Ansitz jedoch komfortabler? Ja!

Wenn Du als Anfänger mit 3 Ruten angeln darfst, schlagen wir 1x Mais, 1x Tigernüsse und 1x Boilie vor. Je weniger Angelzeit zur Verfügung steht, desto eher bieten sich Dosenmais, Würmer und Maden an – Köder, die eigentlich immer Bisse provozieren. Bist Du bereits darauf aus, kleinere Beifänge von Friedfischen auszusortieren, machen Tigernüsse und Boilies am Haar Sinn. Zur Montage erfährst Du unterhalb der nächsten Zwischenüberschrift mehr.

Karpfen fischen Anfänger
An Partikel muss man die Karpfen im eigenen Gewässer nicht erst gewöhnen.

Instant – also bei kurzen Ansitzen über wenige Stunden – können Partikel den Boilies überlegen sein. Anfänger sollten sich niemals eintrichtern lassen, sie würden nur mit teuren Kugeln fangen. Teuer ist auch nicht unbedingt mit Qualität gleichzusetzen. Das kommt ganz auf die Inhaltsstoffe an – und diese sind leider nicht allzu oft transparent angegeben.

Was die Karpfen nachweislich auf den Plan ruft:

  • Fermentierte Stoffe, welche u.a. durch das richtige Vorbereiten von Partikeln entstehen
  • Betain (Kommt u.a. in Fischmehl, Muschelmehl, Krabbenmehl, Krill, Rinder- und Geflügelleber sowie in Zückerrüben-Melasse vor)
  • Wasserlösliche Aminosäuren, welche u.a. in Bierhefe (und deren Extrakten), vorverdautem Fischprotein, GLM, Maggi, Belachan (Shrimp-Paste), Sojasauce und CSL enthalten sind
  • Diverse L-Aminosäuren (darunter z.B. Glutamin und Prolin), welche ebenfalls in den genannten, tierischen Produkten enthalten sind
  • Trigger aus der Aquakultur, wir DMPT und SuperStim

Wie Du siehst, sind es überwiegend nicht die künstlichen Flavour-Sorten, welche wir als angenehm in der Nase empfinden, die den Karpfen in Wirklichkeit überlisten. Sekundär ist es aber dennoch natürlich legitim, nach einem Köder zu suchen, der durch Flavour für uns angenehmer riecht. Der Angler muss jedoch verstehen, dass es irrelevant für den Karpfen ist, wenn ein Boilie subjektiv gut oder schlecht für uns riecht. Ist dies nicht der Fall, besteht schnell die Gefahr, der Köderindustrie auf den Leim zu gehen.

Neben den wasserlöslichen Stoffen, welche der Karpfen über seine Rezeptoren wahrnimmt, verfügt er durchaus auch über eine gewisse Sehkraft. Dementsprechend können auch optische Reize interessant sein.

Optik
Gerade in sehr klaren Gewässern ist auch die Optik des Köders nicht zu unterschätzen. Je nach Angeldruck und Situation vor Ort, können optische Reize Bisse provozieren oder eher abschreckend sein. Das muss man im Einzelnen immer wieder selbst herausfinden.

Welches Vorfach/Rig beim Karpfenangeln für Anfänger?

Simpel und bewährt sollte es am Anfang sein. Versuche die Angelei einfach zu halten. Unnötig komplizierte Rigs birgen das Potenzial für Frust. Um gezielt Karpfen zu überlisten, hat es sich etabliert, den Köder nicht direkt auf den Haken zu ziehen. Stattdessen wird er mittels Boilie-/Köder-Nadel auf ein überstehendes Schnurstück – das sog. Haar (Engl. Hair Rig) – gezogen.

Haarmontagen kannst Du selber binden oder fertig kaufen. Der sog. Knotless Knot ist der Ursprung – die Mutter aller Karpfenrigs sozusagen. Der knotenlose Knoten ermöglicht es, ein Haar nur durch das Fädeln und Legen der Schnur zu bilden, welches dennoch die Tragkraft der Schnur weitgehend erhält. In England wurde dieses Rig seit den 1980er Jahren immer populärer und hat das selektive Karpfenangen auf ein neues Niveau gehoben.

Montage für Anfänger
Das klassische Hair Rig. Auch als Kntoless Knot bezeichnet, bindest Du es aus einem Stück Vorfachmaterial.

Natürlich kannst Du bestimmte Naturköder, wie Würmer und Maden, auch auf den Einzelhaken ziehen. Diese Methode macht es jedoch unmöglich, gezielt kleinere Friedfische auszuschließen.

Welche Montage beim Karpfenangeln für Anfänger?

Das Hair Rig wird von Karpfenanglern gerne mit der sog. Festblei-Montage (Engl. Bolt Rig), vielfach auch als Selbsthak-Montage bezeichnet, kombiniert. Die Bezeichnungen lassen es vielleicht schon vermuten – das Blei sitzt hier fest, sodass sich der Fisch beim Wegschwimmen selber in der Lippe hakt. Ein echter Anschlag ist beim Aufnehmen der Rute hierbei nicht mehr erforderlich und kann sogar das Ausschlitzen begünstigen.

Festblei Montage

Um beim Biss den Selbsthak-Effekt zuverlässig zu erzielen, werden Bleigewichte ab 80 g empfohlen. Standard sind zumeist 100-120 g. Je mehr Strömung und je größer die Distanz, desto mehr Gewicht sollte zur Anwendung gebracht werden. Im Handel verfügbare Bleigewichte enden um 300 g herum. Derart schwere Ausführungen helfen dabei, dass mit dem Boot ausgebrachte Rigs, auf mehrere hundert Meter Distanz, nicht durch das Zurückfahren oder Wind und Wetter verzogen werden. Damit der Köder in großen Strömen, wie der Elbe und dem Rhein, liegen bleibt, werden manchmal sogar Steinmontagen bis ca. 1 kg genutzt.

Die Festblei-Montage hat das gezielte Fangen schwerer Karpfen noch einmal erleichtert und “standardisiert”. Es gibt in diesem Zusammenhang noch einmal 2 grundlegende Differenzierungen:

  • Inline-Montage (Blei wird auf die Schnur und anschließend auf den Wirbel gezogen)
  • Outline-Montage/Safety Rig (Blei ohne Innenführung besitzt Wirbel und wird außen in einen Clip gezogen)
Inline Montage
Das Inline-Blei verspricht den besseren Hakeffekt. Es kann dafür nach dem Biss nicht abgeworfen werden, was bei der Angelei in hindernisreichen Gewässern jedoch zu empfehlen ist. Das Blei birgt nämlich dort die Gefahr, sich mitsamt Fisch schneller im Holz und Kraut festzusetzen. Mittlerweile gibt es auch das “Semi Fixed Inline Rig”, bei welchem das Blei nach dem Biss zuverlässig weiter die Hauptschnur hinaufrutscht, damit sich der Karpfen nicht “freischütteln” kann. So weitgehend muss man als Anfänger allerdings ausdrücklich noch nicht einsteigen!
Safety Rig
Safety Rigs/Outline Montagen können das Blei nach dem Biss freigeben. Über einen Tube kannst Du variieren, bei welchem Widerstand der Clip auslösen soll (je weiter Du den Tube auf den geriffelten Clip ziehst, desto stabiler bleibt er an Ort und Stelle). Weil beim Verwenden dieser Montage vermehrt Blei in die Gewässer gelangt, sollte man sich auch mal nach Alternativen “Stein-Bleien” und “Stahl-Sinkern” umsehen – jene sind unbedenklicher.

Vertrauen fängt Fisch. Hast Du Karpfen auf eine bestimmte Montage und einen Köder fangen können, werden jene auch an anderen Gewässern ziemlich sicher darauf beißen. Ein häufiges Wechseln von Montage und Köder verunsichert den Angler – oft zu Unrecht, weil die Fische einfach nicht am befischten Platz waren.

Karpfenangeln für Anfänger – Was Dir Komfort & “mehr Sitzfleisch” verschafft

Karpfenangeln kann nochmal einmal in mobiles Angeln und in das Ansitzangeln untergliedert werden. Was angebrachter erscheint, hängt von der persönlichen Philosophie, dem Gewässer und der Jahreszeit ab.

Das Ansitzen von einem Punkt aus kann man sich jedenfalls durch verschiedenste Mittel und Praktiken komfortabler machen. Das beginnt bei der richtigen Kleidung, erstreckt sich über leckere Gerichte, und geht bis hin zur vollständigen Medien-Anbindung a la internetfähigem Notebook mit Netflix/Prime Video etc.

Wie viel Komfort Du Dir am Wasser verschaffen möchtest, hängt von Deiner persönlichen Einstellung und natürlich auch vom Budget ab.

Elektrische Bissanzeiger & Hängebissanzeiger

Rutenhalter Karpfen

Zunächst bringt es Dir mehr Komfort, Deine Rutenhalterungen & die Bissanzeige zu optimieren. Statt ewig auf einen Schwimmer zu starren oder nahe an der Rollenbremse ausharren zu müssen, verschafft Dir eine Kombination aus elektrischem Bissanziger und Hängebissanzeiger viel mehr Ruhe. Die Konzentration kann durch jene deutlich heruntergefahren werden und mehr Entspannung in den Fokus rücken.

Bissanzeiger
Der Hängebissanzeiger fällt, wenn der Fisch auf die Rute zuschwimmt. Durch die Bewegung in der Schnur gibt der elektrische Bissanzeiger somit sowohl akustische Signale, wenn Schnur in Richtung Gewässer abgezogen wird, als auch wenn sie schlaff wird (Fisch schwimmt auf Dich zu). Dadurch bist Du auf alles vorbereitet.

Von der angestrebten Erholung hat man allerdings nur etwas, sofern die Ruten rutschfest liegen. Dazu werden ausreichend lange und stabile Rutenhalter (sog. Banksticks) angeschafft. Jene werden in den Erdboden gerammt.

Die Halter sollten oberseitig ein Gewinde haben – das sog. BSF 3/8″ ist dabei Standard (Whitworth-Gewinde). Dafür kannst Du von allen bewährten Karpfen-Marken genormtes Schraub-Zubehör kaufen.

Entweder legst Du die Ruten auf 2 Haltern ab, was gängige Praxis ist, oder fixierest die Rute am hinteren Teil mit einem Zelthering.

Bei der etablierten 2-Halter-Lösung befindet sich im vorderen Teil die Bissanzeige und hinten eine Rutenaufnahme (Engl. Butt Grip). Die hintere Aufnahme muss eng genug sein, damit die Rute nicht durch den Biss rausgezogen werden kann – schon so manche Rute landete in diesem Zusammenhang im Wasser und ward nicht mehr gefunden. Manche Hersteller bieten mittlerweile auch variabel verstellbare Klemm-Systeme an. Natürlich solltest Du auch die Bremse entsprechend einstellen – der zu erwartende Zielfisch sollte Schnur nehmen können, damit er nicht direkt ausschlitzt.

Butt Grip

Noch komfortabler wird alles mit einem Funkbissanzeiger-Set. Der zugehörige Melder ist – wie ein Walkie Talkie – mit den Bissanzeigern verbunden. Dank einer Reichweite von bis 300 m (produktabhängig), kannst Du genüsslich im Zelt liegen und verpasst keinen Biss. Übertreiben sollte man es jedoch nicht. Je näher Du Dich am Fanggerät aufhälst, desto waidgerechter ist das Angeln an sich.

Funkbissanzeiger
Kann auch in Lautstärke und Tonhöhe variiert werden – den eingeschalteten Funk-Receiver solltest Du immer in Deiner Nähe haben. Je nach Hersteller, liegt die Reichweite zu den Ruten zumeist zwischen 100 und 300 m. Das Signal ist stark genug, um auch den Transporter (falls darin genächtigt wird) oder andere Hindernisse zu durchdringen.

Eine Alternative für feste Böden, wie Betonoberflächen in Häfen oder Holzstegen an Badegewässern, ist ein Rod Pod. Dieses Gestell nimmt, je nach Ausführung, 3-4 Ruten direkt nebeneinander auf. Gute Lösungen sind hier vergleichsweise hochpreisig.

Angelstuhl

Das Ansitzangeln muss gemütlich sein. Mit einem klassischen Faltstuhl ist es dies oft nur für wenige Stunden der Fall. Ein moderner Karpfenstuhl ist bei Bedarf um einiges luxuriöser und vor allem an die eigene Physionomie anpassbar. Neben einer verstellbaren Rückenlehne und einer dicken Polsterung, stehen bei Bedarf auch Armlehnen zur Verfügung.

Karpfenzelt

Es liegt zwar im Trend, beim Karpfenangeln auch mal die Nacht unter freiem Sternenhimmel zu verbringen, jedoch wird ein Karpfenzelt zweifelsohne über kurz oder lang mehr Komfort bieten. Es schützt Dich vor Regen und starkem Windeinfluss. Wer die ersten Male alleine über Nacht draußen ist, wird sich wahrscheinlich auch etwas sicherer mit einem geschlossenen Bivvy fühlen. Wer sich der Natur besonders nahe fühlen möchte, schläft in einem Brolly ohne Front.

Karpfenliege

Wer am Wasser einigermaßen erholsam schlafen möchte, kommt um die Anschaffung einer Karpfenliege nicht herum. Eine dicke Polsterung schont dabei den Rücken und schirmt die Kälte von unten ab. Man kann es auch zunächst mit einer günstigen Camping-Liege/einem Feldbett probieren, doch spätestens beim Ausrücken jede Woche wird der Angler bemerken, dass Günstig-Lösungen hier nicht unbedingt bequem sind.

Schlafsack

Gehört ebenfalls zur Nachtruhe dazu – ein Schlafsack zum Angeln. Weil wir Angler – im Gegensatz zu Bergsteigern – dann doch etwas weniger auf das Transportmaß achten müssen, kann es schon ein breites und entsprechend gemütliches Exemplar sein. Noch wichtiger ist allerdings das passende Temperatur-Spektrum. Willst Du auch im Winter losziehen, sollte der Schlafsack schon bis -5 Grad eingestuft sein.

Karpfenangeln für Einsteiger – Angemessenes Verhalten am Wasser

Angler sollten zusammenstehen, denn es gibt diverse Kräfte, welche unser geliebtes Hobby einstampfen möchten. Dazu zählen insbesondere Tierrechts- und diverse Umwelt-Organisationen. In der Praxis bildet die Anglerschaft aber einfach nur den Querschnitt unserer Gesellschaft ab – es reicht von Leuten, die stets vorbildlich handeln, Unmengen an Müll von den Gewässern beseitigen, bis hin zu Leuten, welche schamlos Grundbedürfnisse auf dem Waldboden hinterlassen.

Dennoch sollte jeder Angler einen gewissen Anspruch an sich hinsichtlich Rücksicht auf die Natur formulieren, damit unser Hobby nicht unnötig mehr Gegenwind erhält. Einige Tipps sollte sich jeder zu Herzen nehmen, die unser Hobby in einem guten Licht erscheinen lassen:

  • Verhalte Dich angemessen ruhig – basslastige Musik und große, offene Feuer sind dem Fangerfolg ohnehin nicht unbedingt zuträglich
  • Ausrüstungsgegenstände, die überwiegend Oliv oder Camo gehalten sind, geben ein harmonisches Bild ab und erregen keine unerwünschte Aufmerksamkeit
  • Angelst Du unter Publikumsverkehr, halte Deinen Angelplatz von Anfang an aufgeräumt und übersichtlich (Selbst wenn Du zum Ende alles ordentlich herrichtest, könnten Fußgänger und Co. zwischenzeitlich aufgehetzt werden)
  • Hänge bei längeren Sessions eine Mülltüte auf oder stelle ein entsprechendes Gefäß auf
  • In Sachen Sanitär gibt es biologisch abbaubare Beutel und günstige Klapp-Spaten – es ist absolut unverständlich, dass manche Angler Geschäfte auf dem Waldboden verrichten und dann noch entsprechend Tücher und Co. hinterlassen
  • Hinterlasse den Angelplatz generell möglichst unberührt (Ohne Bodenplane wird das Grasland z.B. nicht so belastet)
Sanitär
Wer bei längeren Sessions mal groß muss, sollte biologisch abbaubare Beutel und einen Mini-Klappspaten dabei haben. Die entsprechende Ausrüstung ist alles andere als teuer.

Catch & Release – Ein heikles Thema für sich

Im Ausland oft ausdrücklich erwünscht, kann Dich das Zurücksetzen eines Karpfens hierzulande die Angellizenz und ggf. ein Strafverfahren kosten. Dies ist jedoch der Extremfall, mit welchem nur wenige Karpfenangler jemals zu tun haben werden.

Man sollte in diesem Zusammenhang ein gesundes Maß finden und sich der Außenwirkung unseres Hobbys bewusst sein. Es gibt diverse Tierrechts-Organisationen, denen das Zurücksetzen maßiger Fische ein Dorn im Auge ist. Daher ist es ratsam, nicht das Zurücksetzen der Fische auf Bildern und in Videos festzuhalten. Besser ist es, nur das Fangfoto im Bereich der Matte zu dokumentieren. Hier gibt man den einschlägigen Organisationen keinen Nährboden, der Fisch sei zum Spaß gefangen worden – letzteres erlaubt unser Tierschutzgesetz nämlich nicht.

Unsere Meinung ist es, dass es absolut in Ordnung geht, auch mal einen 4-8 Pfund Karpfen abzuschlagen und daheim zu verspeisen. Glücklicherweise führen auch hierzulande immer mehr Angelvereine Schon-Maße für größere Laichkarpfen ein – das beginnt teils bei 60 cm. Bei Großfischen ist es zudem ein absolut legitimes Argument, darauf zu pochen, dass man ja auch keine 10 Jahre alte Weihnachtsgans verspeist. Karpfen eines solchen Alters schmecken einfach nicht und sollten wieder in ihr Element dürfen.

Wer all seine Fische zurücksetzen möchte, sollte dies eher im Stillen tun. In diesem Zusammenhang sollte man aber auch ehrlich reflektieren, ob der Angelsport das richtige Hobby ist.

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