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Partikel oder Boilies fischen?

Boilie vs. Partikel – Wann welche Lösung wählen

So mancher Karpfenangler hat sie längst abgeschrieben – Partikel sind in der Szene nicht mehr allzu en vogue. Doch selbst derjenige, welcher sich ihrer situativen Vorteile bewusst ist, steht trotzdem mitunter vor der Frage, welcher Partikel es denn im Einzelnen nun sein soll. Hinzu kommen die schier unendlichen Möglichkeiten, den Köder zu präsentieren. Partikel oder Boilies fischen? Wir versuchen, mit diesem Ratgeber eine übersichtliche Komplett-Lösung für alle Situation zu bieten.

Partikel oder Boilies
Wer die Wahl hat, hat auch die Qual

Was fängt instant?

Es gibt sie auch heute noch – Gewässer, in denen die Karpfen keine Boilies kennen. Manche Regionen hatten eben nie “ihren Ansturm”, weil die gefangenen Durchschnittsgewichte weit weg von Rheintal, Frankreich und Co. sind. Wer in einem boiliefremden Gewässer schnell an den Fisch kommen möchte, sollte auf Partikel, wie Tigernüsse oder Mais, als Hakenköder setzen. Diese werden von den Fischen in der Regel sofort angenommen.

Bei Boilies kann es in wenig befischten Gewässer das Problem geben, dass sie durch die Karpfen nicht als Nahrung erkannt werden. Pauschal kann man dies jedoch auch nicht behaupten. Ich habe Satzkarpfen und weitere Karpfen gefangen, die zuvor sicherlich auch noch nie einen Boilie aufgenommen haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass Tigernüsse und Co. hier zügiger akzeptiert werden, ist dennoch hoch.

In einem neuen Gewässer, das kaum Karpfenangler kennt, würde ich zunächst 2 von 3 Ruten mit Partikeln bestücken.

Partikelmix
Ein bunter Partikelmix lockt schnell alle Arten von Friedfischen auf den Plan. Gut, um schnell am Fisch zu sein. Weniger probat, wenn man einen bestimmten Zielfisch im Blick hat.

Sind die Karpfen mit Boilies vertraut, kommt es ganz darauf an, wie der Boilie zusammengesetzt ist. Um im Winter z.B. mit Dosenmais konkurrieren zu können, muss er schon sehr attraktiv sowie löslich sein. Fehlen aushärtende Binder, wie Eggalbumin und Casein, wird der Boilie um einiges “instanter”. Nützliche Inhaltsstoffe für “Instant-Boilies” sind u.a. Rinderleberextrakt, GLM (als Extrakt) oder vorverdautes Fischprotein (reich an Eiweiß und enthält, neben Betain, noch zahlreiche L-Aminosäuren, die der Karpfen über seine Rezeptoren wahrnehmen kann. Vergleichsweise günstige Attraktoren, die löslich und dementsprechend ebenfalls instant sind, stellen Bierhefe sowie Milchpulver dar.

Instant-Effekte lassen sich nicht nur über hochwertige Mehle, sondern auch über Farben erzielen.

Boilie vs Partikel
Wird direkt vom Karpfen als Nahrungsquelle akzeptiert – Herrlicher Dosenmais. Gerade im Winter ist dieser ein guter Köder.

Vogelfutter hilft dabei, die Struktur des Boilies gröber zu machen. In der Folge schwemmt er schneller aus und gibt seine Stoffe entsprechend ab. Man kann sich aber auch mit weiteren, groben Zutaten, wie Hanfsamen oder Chili-Flocken, behelfen und mit jenen zum Effekt des schnellen Ausschwemmens beitragen.

Stichwort Selektivität – Hier ist der Boilie kaum zu schlagen

Neben der Attraktivität, spielt für viele Karpfenangler auch zunehmend die Selektivität des Köders eine wichtige Rolle. Wenn möglich, möchte man des nachts nicht aufstehen, um einen Brassen abzuhaken. Manche Angler versuchen gar, über ihre Köder und Montagen alles unter 30 Pfund konsequent auszuschließen. Längere Wartezeiten bis zum Anbiss werden in Kauf genommen.

Bedingt durch die oft kompakte Größe, werden Partikel gerne von Mitessern genommen. Gerade kleine Partikel finden an der Selbsthakmontage leider allzu leicht sogar in das Maul eines Rotauges. Wer das vermeiden will, muss große und vor allem harte Köder fischen. Es hat sich in diesem Zusammenhang bewährt, keine allzu konzentrierten Plätze mit feinem Futter anzulegen. Gefüttert und gestreut werden z.B. nur 24er und 30er Boilies. Als Hakenköder kommt ein entsprechend steinharter Hookbait zum Einsatz. Wohl dem, der an weitgehend Weißfisch-freien Gewässern angelt.

Grundsätzlich ist ein Boilie jedoch nicht immer selektiv. Maulsperren ab 30 mm helfen zwar, kleinere Fische besser fernzuhalten, jedoch kann dem Angler dadurch auch der ausdrücklich gewünschte Fang durch die Lappen gehen. Der natürlichen Nahrung entsprechend, fressen viele Karpfen bevorzugt kleine Köder (hängt entsprechend stark vom vorhandenen Nahrungsangebot ab). Deshalb kann auch der Test eines kleinen Köders an einem langen Haar lohnenswert sein – einen 16er Boilie an einem 5 cm langen Haar werden vergleichsweise wenige Brassen und Kleinkarpfen erfolgreich mitsamt Haken in’s Maul bekommen, während das für einen XXL-Rüssler kein Problem darstellt. Damit sich das lange Haar beim Auswurf oder Ablegen nicht verwickelt, sollte der Haken auf jeden Fall mit PVA-Nuggets umschlossen oder in einen PVA-Stick gezogen werden.

Selektivität ist – gerade in der warmen Jahreszeit – oft eine Gratwanderung. Die Sisyphusarbeit besteht darin, die Attraktivität von Futter und Ködern zu reduzieren, aber dennoch die gewünschten Großkarpfen in den Kescher zu bekommen.

Weil die Mitesser im Winter auch vergleichsweise inaktiv sind, bietet sich kleine Partikel, wie vergorener Mais, im kalten Wasser hingegen wieder als “Köder der Gelassenheit” an

Partikel ist nicht gleich Partikel

Es gibt eine große Auswahl an Partikeln, welche zum Karpfenangeln herhalten können. Karpfen sind eben Allesfresser – im Fachjargon bezeichnet man sie als Omnivor. Größe, Härte und Selektivität schwanken auch untereinander stark. Am ehesten kann die Tigernuss als selektiver Karpfenköder mit dem Boilie mithalten. Das hat sie vor allem ihrer Härte zu verdanken. Sie ist – normale Bestände an Krabben vorausgesetzt – komplett resistent gegenüber ihren Scheren. Auch Weißfische können ihr nichts anhaben, weshalb sie ideal bei Ansitzen ist, die länger als 12 Stunden andauern. Wie harte Boilies, kann man auch Tigernüsse mal problemlos für 2-3 Tage an einem Spot beködert liegen lassen. Leider werden auch sie gelegentlich von Brassen aufgenommen.

Geht es um das Angeln auf Schlamm, haben Boilies im Übrigen das Problem, den Geruch recht schnell anzunehmen. Bei folgenden Partikeln ist das nicht der Fall – sie sind sehr gut zum Angeln auf weichem Sediment geeignet:

  • Tigernüsse
  • Maple Peas

Partikel vs. Boilies – Wie sieht es in Sachen Nährwert für den Karpfen aus?

Karpfen verwerten tierisches Eiweiß zu 90% und darüber hinaus (Rotbarschmehl liegt mit 96-97% an der Spitze). Es bietet ihnen den bestmöglichen Nährwert. Die meisten Partikel bestehen allerdings zu weiten Teilen aus Kohlenhydraten – diesen Makronährstoff kennen die Karpfen gar nicht aus ihrer natürlichen Nahrung. Ist ein Boilie nun automatisch immer nahrhafter für den Karpfen? Nein – hier muss man genauer hinsehen!

Ein hochwertiger und ausgewogener Boilie, welcher 40% und mehr an Eiweiß hat, wird unbestritten beim Karpfen besser ankommen und ist für ihn besser zu verwerten. Schaut man sich allerdings im Handel um, findet man kaum Boilies, die mehr als 20% Eiweiß haben. Oft sind selbst gepriesene Top-Boilies nicht so eiweißreich, weil dieser Stoff einfach am teuersten im Einkauf ist.

Konventionelle Boilies bestehen oft zu 20-25% aus Fischmehl und der Rest kommt zu weiten Teilen aus Getreidemehlen, wie u.a. Grieß. Das sorgt dafür, dass u.a. der Partikel Hanf oft tatsächlich mehr Eiweiß hat, als ein Boilie aus dem Handel. Hanfsamen bestehen nämlich zu ca. 25% aus Eiweiß. Hinzu kommt ein hoher Fettanteil, den der Karpfen ebenfalls gut verstoffwechselt – nun weißt Du, warum Karpfen so verrückt danach sein können.

Der Karpfen verwertet einen Eiweißanteil von 40% optimal hinsichtlich körpereigener Proteinstrukturen. Werte darüber hinaus dürfen sein, werden vom Stoffwechsel jedoch dann oxidiert und zur Energiegewinnung genutzt – dazu wäre mir persönlich das hochwertige Protein zu teuer. Zu diesem Zweck macht die Komponente der Kohlenhydrate mehr Sinn.

Hinsichtlich Nährwert kommt es also ganz darauf an, welche Partikel Du einsetzt. Nachfolgend siehst Du, dass es ganz schön viele Partikel gibt, welche dem Karpfen erstaunlich viel Eiweiß liefern. Da es pflanzlich ist, muss man in Sachen Verwertbarkeit leichte Abstriche machen – allerdings sind in Boilies häufig auch nicht alle Proteine nur tierischen Ursprungs.

Eiweiß-Gehalt ausgewählter Köder & Futtermittel

Bezeichnung:HNV-Selfmade-MixLupinenErdnüsseBoilies aus dem HandelHanfWeiße Erbsen (Pea Peas)Bohnen (z.B. Ackerbohnen)Maple PeasKichererbsenWeizenTigernüsseHartmais
Eiweißanteil:40-60%Bis zu 36%26% Oft 7-25 %25%Über 20%22-23%20%20%10%7%3%

Langfristig füttern – Worauf sollte ich achten

Für langfristige Futterkampagnen sind manche Partikel nicht geeignet, wenn sie in allzu großen Mengen eingebracht werden. Dazu zählen im Prinzip all jene, die einen Fettanteil deutlich jenseits von 20% beinhalten. Bei Boilies als Futtermittel wird nämlich auch nur ein Fettanteil von 5-10% angeraten.

Selbstverständlich kannst Du fettreiche Partikel, wie Hanf oder Erdnüsse, jedoch in kleineren Mengen stets dem Futter beimischen und es dadurch aufwerten. Zu bedenken gilt es, dass sie durch den hohen Fettanteil schneller ranzig werden kann.

Bei allen Arten von Nüssen tritt die Problematik zu Tage, dass Schimmelpilze entstehen können. Aflatoxine können bei Mensch und Tier tödliche Krankheiten auslösen – das schmecken wir persönlich glücklicherweise und sollten die Nuss dann ausspucken. Durch das Abkochen verschwinden jene leider nicht. Deshalb immer frische Nüsse, dem MHD entsprechend, verwenden und vernünftig lagern (kühl, trocken, dunkel).

Auch sehr eiweißreiche und würzige Boilies können tatsächlich langfristig etwas “too much” sein. Jan Brauns vergleicht dies immer mit einem belegten Brot, dessen Getreide-, Wurst- und Senf-Anteil ausgewogen sein sollten. Zu viele attraktive Stoffe belasten nicht nur die Geldbörse, sondern können auf den Karpfen abschreckend sein. Es gab Experimente im Aquarium, in welchen Boilies, die voll mit Betain, Aminosäuren, DMPT und Co. waren, die Karpfen derart verwirrt haben, dass sie die Köder als solche gar nicht als Nahrung identifiziert haben und stattdessen einfach aufgeregt in allen Wasserschichten umherschwammen.

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